Aus dem Internetauftritt der Gemeinde Elsenfeld
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Lebendige Sprache, die Chance zur Begegnung
Spracherziehung       
 
 
Das WORT, selbst das widersprechendste, ist so verbindend. Aber die Wortlosigkeit vereinsamt.
 
Thomas Mann Entdeckungskiste Nov-Dez 99
 
 
Ein kontinuierlicher und langfristiger Prozess in der sprachlichen Bildung beginnt bereits in den ersten Lebenswochen.
 
Die Denk- und Sprachentwicklung des Kindes vollzieht sich schrittweise, parallel zum Reifungsprozess des Gehirns, der Organe und der Körperfunktionen. Von anfänglichen primitiven Lautäußerungen, wie z. B. dem Schreien eines Babys über Lalläußerungen bis zu Ein- und Zweiwortsätzen, ist das Kind bei Eintritt in den Kindergarten in der Lage, komplexe Satzgefüge mit Haupt- und Nebensätzen zu bilden. Mit drei Jahren entwickelt es dann sein Ich-Bewusstsein. Während der Kindergartenzeit kann das Kind nachhaltig in seiner Sprache gefördert werden, da es einen enormen Wissensdrang entwickelt. Die Erwachsenen werden ständig mit Warum – Fragen konfrontiert. Durch diese Frage – Antwort Dialoge wird der Wortschatz des Kindes vergrößert.
 
 
Voraussetzungen für einen ungestörten Spracherwerb
 
Ø Eine intakte Gehirnstruktur und altergemäße Reifung der Sprachzentren
 
Je mehr neuronale Schaltungen wir im kindlichen Hirn aktivieren, um so intensiver wird das Denken und Lernen vernetzt. Das bedeutet für die Sprachentwicklung der Kinder, dass sie frühe, häufige und vielfältige Sprechanreize erhalten. Diese erlernen sie optimal, wenn dabei möglichst viele Sinne angesprochen werden und dadurch beide Gehirnhälften zum Zuge kommen.
 
Ø Ein intaktes Gehör und eine ungestörte auditive Wahrnehmung
 
Dazu gehört die Fähigkeit, aktiv zuzuhören und die Entwicklung vielfältiger nonverbaler Ausdrucksformen (Körpersprache, Mimik usw.).
 
Ø Eine ungestörte emotionale Entwicklung
 
Kinder lernen die Sprache am besten im persönlichen Kontakt mit einer ihnen zugewandten Bezugsperson. Die Grundlage für eine gezielte und differenzierte Sprachförderung ist, dass das Kind Vertrauen zu seinem Gesprächspartner aufgebaut hat und sich dabei von ihm ernst genommen fühlt.
 
Ø Ein entwicklungsfördernder Erziehungsstil
 
Die Bezugspersonen sollen in mehrfacher Hinsicht ein gutes Sprachvorbild sein. Um einen erfolgreichen Kommunikationsstil zu entwickeln, ist es wichtig, dass die Bezugsperson authentisch und natürlich spricht. Kindliche Äußerungen werden aufgegriffen und erweitert, indem viele erklärende und erzählende Elemente eingebaut werden.
 
Ø Eine intakte taktilkinästhetische Wahrnehmung und Motorik
 
Die neurolinguistische Forschung hat nachgewiesen, dass Bewegen und Behalten von neuen Wörtern eine fruchtbare Einheit bilden. Das Hirn speichert effektiver, wenn es Körpererfahrungen und Lernstoff miteinander vernetzt.
 
Ø Eine gut funktionierende Mundmotorik
 
Erst das richtige Zusammenwirken von Zunge, Zähnen und Lippen gewährleistet eine deutliche Artikulation der Wörter.
 
Ø Eine aktive und konstruktive Zusammenarbeit mit den Eltern
 
Besonders in Hinsicht auf unsere Migrantenfamilien bedarf es einer intensiven und individuellen Kontaktaufnahme.
 
Im heutigen Medienzeitalter mit seinen Computern, E-mails, Internet ect. scheinen wir den Wert der lebendigen Sprache aus den Augen verloren zu haben. Die Kinder kommunizieren zwar mehr, aber sie begegnen sich dabei immer weniger. Weite Distanzen werden in immer kürzerer Zeit mit dem globalen „Weltdorf“ multimedial vernetzt. Um so wichtiger ist es, Sprachkompetenz, Sprachperformanz und kommunikative Kompetenz im Kindergarten zu fördern.
 
 
Ziele des Spracherwerbs:
 
Ø Spielerische Erfahrung mit dem Schreiben und der Schrift
Ø Selbstvertrauen aufbauen
Ø Verbale Konfliktlösung erlernen
Ø Gefühle und Bedürfnisse äußern
Ø Freundschaften schließen
Ø Geschichten selbst erzählen und nacherzählen
Ø allgemeine Wortschatzerweiterung, Lautbildung und Satzbau
Ø Entwicklung vielfältiger nonverbaler Ausdrucksformen (z. B. Körpersprache und
       Mimik)
Ø Fähigkeiten von sprachlicher Mitteilung entwickeln, die sich nicht auf die
       unmittelbare Situation beziehen
Ø Einblick in die Literacy – Bildung (z. B. Buch, Erzähl- und Schriftkultur)
Ø Auf Äußerungen von anderen eingehen
      - Gesprächszeiten von anderen respektieren
      - aktiv zuhören
Ø Vorbereitung auf die Schule


Um die sprachlichen Kompetenzen unserer Kinder zu fördern, bieten wir ihnen:

 
Ø Rollenspiele, Pantomimenspiele auch mit Handpuppen oder Theater
Ø Kreis-, Fingerspiele, Reime
Ø Geschichten und Märchen
Ø Fantasiereisen und Stilleübungen
Ø Klanggeschichten
Ø Bilderbuchecke – zum selbständigen Anschauen
Ø Tonkassetten mit Liedern und Erzählungen
Ø Videokassetten
Ø themenbezogene Gespräche
Ø Erzählkreis
Ø situative Momente
Ø Raum und Zeit für Einzelgespräche
Ø Konfliktlösungen
Ø Höflichkeitsregeln
Ø Arbeitsblätter
Ø Basteln und Malen
Ø Gesellschaftsspiele
Ø Konstruktionsspiele
Ø Entscheidungsfreiheit für die Zonen
Ø Bewegungsspiele im Außengelände
Ø häusliche Beschäftigungen
Ø Spül- und Tischdeckdienst
Ø verschiedene Feste (Jahreskreis Ostern etc.)
Ø Theaterbesuche
Ø phonologisches Bewusstheitstraining
Ø spielerische Erfahrung mit Schreiben und Schrift
      - stets wechselnde Plakate in der Einrichtung erkennen
      - den eigenen Namen schreiben
      - Plakate herstellen
      - Buchstaben, attraktiv aufbereitet, sind für Kinder zugänglich
      - an den Wänden des Gruppenraumes sind stets wechselnde Logos
 
 
Deshalb bieten wir unseren Migrantenkindern und deren Eltern:
 
Ø fortlaufende Informationen der Eltern über die Sprachentwicklung ihrer Kinder
Ø Vorstellen unseres Sprachförderungskonzeptes
Ø Spielen mit Kindern anderer Nationalitäten und den Gruppenpädagogen in allen
       Bereichen des Kindergartens
Ø zweisprachige Bilderbücher
Ø Förderung durch die pädagogische Zusatzkraft in einem separaten Raum in
       Kleingruppen, 1-2 mal/Woche für ca. 30 Minuten in  
       spielerischer Atmosphäre
Ø D 240 – Programm (siehe „Große Entdecker“)
Ø gute Zusammenarbeit mit dem Elternhaus
Ø in Gesprächen mit den Eltern wird vermittelt, wie die deutsche Sprache im
       Elternhaus noch zusätzlich integriert werden kann:
      - 1x am Tag z. B. bei einer Mahlzeit deutsch zu reden
      - beide Elternteile motivieren, deutsch zu lernen
      - Bilderbücher und Spiele kaufen
      - Kaffeeplausch der Eltern in der Elternecke
      - großes Familienfest
Ø internationale Essensgerichte am Büfett
Ø Gespräche zwischen den Eltern der verschiedenen Nationalitäten
Ø Tanzvorführungen der Eltern